Strukturwandel

eine neue Realität erscheint

„Es sollte möglich sein“, dachte ich mir und fuhr mit meiner Partnerin zur Findhorn Gemeinschaft im Norden Schottlands. Ich hatte die Absicht am LCG Kurs teilzunehmen – einem Programm, um mich der Gemeinschaft anzunähern und vielleicht sogar später mit den Menschen zusammen zu leben. Ich machte ein Interview mit einem sogenannten „Focaliser“, um mich für das Programm zu bewerben. Ich war vorbereitet, ehrlich mit ihr zu sein – ehrlich mit meinem Gesundheitszustand. So erzählte ich ihr, dass ich mich nach der Behandlung durch die Ärzte immer noch krank fühlen würde und ihr nicht meine hundert prozentige Arbeitskraft zusichern könnte. Möglicherweise hätte ich Ausfälle von ein paar Stunden oder einmal einem Tag. Sie war sehr ernst in der Unterhaltung und fragte mich, ob es wirklich eine so gute Idee wäre, das Programm überhaupt anzufangen. Auch meine Aussage, dass mir die Ärzte einen stabilen Zustand bescheinigten, half nicht weiter. Ich selbst hatte ja auch nicht das Gefühl, gesund zu sein. Sie bestand darauf, dass Findhorn eben kein Heilplatz wäre und das schockierte mich.

Ich traf andere Freunde vor Ort, die ich noch von meinem ersten Aufenthalt kannte als ich die Dokumentation über den Ort drehte. Seltsamerweise fand ich immer wieder eine Stimmung von Unzufriedenheit vor. Es schien etwas zu geben, dass die Mitglieder der Findhorn Gemeinschaft in den öffentlichen Kursen nicht teilen wollten. Dieses Etwas war sehr fühlbar für mich. Es war eine Kombination aus einem Wandel, der in der Luft lag, verbunden mit einem Sinn für Expansion. Ich verstand in den Gesprächen, dass es Menschen gab, die innerhalb der Gemeinschaft für einen Wandel plädierten und Gruppen bildeten, um diesen Wunsch einzubringen. Gleichzeitig formierte sich aber auch Widerstand, um das Althergebrachte nicht einfach aufzugeben, sondern zu bewahren. Meine Schlussfolgerung war: Die Findhorn Gemeinschaft befindet sich in einem größeren Übergang.

Strukturwandel

Wie konnte mich diese Entdeckung auch überraschen? Es passiert auf der ganzen Welt. Ganze Nationen sind mit der Forderung nach Wandel konfrontiert. Gleichzeitig werden die Bemühungen dafür fast immer in Frage gestellt und mit einer Haltung geschmückt, das Alte – an der Tradition orientierte – aufrecht zu halten oder wiederherstellen zu wollen. Hat nicht Präsident Trum gesagt, dass „Amerika wieder groß sein soll“?

Ich habe diese Situation an mir selbst untersucht. Auch ich kenne den Wunsch „mich selbst wieder groß zu sehen“. Ich würde viel darum geben, mich selbst wieder kraftvoll und gesund zu sehen. Dann würde ich herumspringen wie ein junger Geißbock auf den Wiesen. Die Realität sah allerdings anders aus. Das musste ich zugeben. So wurde das Aufnahmegespräch schnell zu einer Bestätigung, dass ich nicht mehr der Mann war, den ich mir vorstellte. Ich befand mich auf einem ganz anderen Weg in einen tieferen Wandel. Vielleicht wollte ich auch einfach von meiner Heilreise ablenken – einer Heilreise, die noch aus stand.

Ich traf ein wunderbares Paar direkt vor der Haustür von der Findhorn Gemeinschaft auf dem Campingplatz. Wir waren Nachbarn und hatten unsere Campingwagen nebeneinander geparkt. Belly und Gail wurden zu guten Gesprächspartnern. Die beiden kannten Findhorn und die Gemeinschaft schon seit ein paar Jahrzehnten. Sie hatten teilweise hier gearbeitet und beim Aufbau geholfen. Jedes Jahr kamen sie für ein paar Wochen hierher, um zu entspannen in dieser wunderbaren Energie des Ortes. Gleichzeitig gab es auch immer etwas für sie zu tun. So waren sie für einige Menschen gern gesehene Unterhaltungspartner und wurden zu zwei weiteren Engeln, die mich in den Wochen meines Aufenthalts begleiten sollten.

 

Lebe dein Leben bestmöglich jeden Tag. Denn du hast nur diesen einen Tag.“
Belly

Beide hatten schon einige Operationen hinter sich. Das Herz und die Leber machte ihnen zu schaffen. Gail hatte schon ein paar Mal dem Tod in die Augen geschaut. Doch sie fühlte sich immer noch lebendig, war am Lachen, servierte Tee und lud andere auf ein Gespräch ein. „Sie ist wie eine Elfe!“, dachte ich mir einmal. Kurz darauf erkläre mir Gail, dass sie den Spitznamen „Elfie“ bekommen hatte.

Das Leben floß wieder!

… außerhalb der Strukturen. Ich war glücklich für diese erste Woche und war im Frieden mit der Tatsache, dass ich mich nicht für ein striktes Programm angemeldet hatte, um zu arbeiten und Treffen zu besuchen. Ich erinnerte mich noch einmal an die Frage, die mir die „Facilitatorin“ zu bedenken gab: „Glaubst du, dass es gut ist, unser Programm mitzumachen bei deinem derzeitigem Gesundheitszustand? Unsere Teilnehmer stöhnen oft schon nach den ersten paar Wochen.“

So ließ ich meinen Traum los. Die härtere Übung war, nicht wieder in einen Traum-gleichen Zustand zurück zu fallen. So war ich froh, dass ich Andreas aus Deutschland traf und andere Besucher und Bewohner, die mir eine zweite Meinung mitgaben. Sie halfen mir auch, im Jetzt-Zustand zu bleiben.

Ich nahm dann später doch an einem Kurs teil. Katharina bot eine Woche der Beschäftigung mit Naturwesen und Naturplätzen an. Sie lebte zu diesem Zeitpunkt schon ein paar Jahrzehnte in Findhorn und kam aus der Ecke, in der ich mit meiner Partnerin derzeit wohnte. So hatten wir sofort Verbindung zueinander und konnten uns Geschichten erzählen.

Ich erinnere mich immer noch gerne daran, wie wir ein kleines Ritual machten und den Kraftplatz der „Helfensteine“ in Deutschland mit Findhorn verbanden und einen Stein auf den Boden ihres Grundstücks legten, geradewegs neben einem Friedenspfeiler.

Katharina fragte mich: „Was wäre, wenn dir deine Krankheit sagen würde: ‚Ich möchte dir helfen, den Teil in dir, der krank ist, zu heilen!‘? Sie war sehr ermutigend. Für der erste Mal fühlte ich, dass meine Krankheit kein Fehler war, sondern ein Entwicklungsschritt. Sie hatte kein Problem, wenn ich mich ausruhen musste während des Kurses. Sie sprach über das Jetzt, über Präsenz und darüber, sein Licht strahlen zu lassen.

Ein weiteres Gespräch hatte ich mit Sarah am Campingplatz. Sarah hatte gerade Belly und Gail besucht. Von ihre lernte ich die folgende Einstellung: „Ich glaube, dass jeder seinen eigenen Weg hat, auf die Dinge zu schauen. Daraus entspringen viele Ideen und Systeme. Was ist deine Weltsicht genau jetzt? Ich möchte viel mehr Geschichten hören. Meine Geschichte ist, dass wir alle auf dieser Erde leben wie ein Bienenstock. Jeder/jede trägt ihren Teil bei. Es gibt da kein EGO. Wenn jemand scheitert, dann schafft es eben jemand anderes. Alles ist sowieso nur für die Gesamtheit der Menschheit. Ideen entspringen gleichzeitig an vielen Orten.“ „Worüber sollte ich mir dann Sorgen machen?“, fragte ich mich leise.

Ganz am Ende meines Aufenthalts auf der kleinen Halbinsel traf ich auf Youlin. Sie wurde ein weiterer Helfer auf meinem Weg. Meine Partnerin lernte sie in einem Kurs kennen, den sie ohne mich machte. Dennoch teilte sie meinen Gesundheitszustand. Youlin hatte ihre eigene Heilgeschichte. Sie wurde mit einer chronischen Krankheit diagnostiziert, die die Muskeln langsam schwinden lassen würde. Sie würde Atemprobleme bekommen. Tatsächlich wurde ihr Gesundheitszustand immer schlimmer. Das änderte sich schlagartig, als sie den Heiler John of God in Kanada traf. Mit seiner Präsenz wurden die Symptome schwächer. So kam sie zu der Überzeugung, dass sie mehr über ihn in Brasilien herausfinden sollte und reiste zur „Casa de Dom Ignacio“ in Südamerika. Ein ganzes Jahr blieb sie dort und ihre Zustand verbesserte sich von Tag zu Tag. Sie riet mir, es ihr gleich zu tun und versprach mir ein kleines Geschenk, das sie im Einkaufsladen der Gemeinschaft hinterlegen wollte.

Ich sollte nach einem Thomas fragen, wenn ich es abholen würde. Doch die Frau an der Kasse hatte noch von keinem Thomas gehört. Genau in dem Moment, als ich etwas über die Situation verwirrt war, tauchte Thomas auf und fragte mich, ob ich Markus sei. Es fühlte sich an wie ein göttlich Eingefädeltes Treffen. Er übergab mir einen Briefumschlag mit einem symbolischen Schatz darin. Er freute sich zu hören, dass ich überlegte, ebenfalls nach Brasilien zu John of God zu gehen und gab mir seinen Herzenssegen.

Als ich zum Camper zurückgekehrt war, öffnete ich das Geschenk. Ich fand ein hölzernes Dreieck darin. Ich hielt es in meinen Händen und fühlte eine seltsam unbekannte Kraft durch mich hindurch fließen. Von diesem Moment an wusste ich, dass ich mich auf eine Reise zu John of God machen würde. Ich musste noch mit meiner Partnerin sprechen und wollte sie fragen, ob sie mich begleiten würde. Ich hängte das göttliche Symbol an einer Wand im Wohnraum des Wagens auf. Im gleichen Moment fühlte ich, wie Etwas aus einer anderen Sphäre mit mir zum Arbeiten anfing.

Schließlich verließ ich Findhorn wieder. Ich war voller Erfahrungen und wesentlich realisitischer über meine Lebenssituation. Ich hatte das Gefühl, dass ich einen anderen Weg nehmen müßte und ich war gewillt, ihn auch zu Ende zu gehen.

Kommentar verfassen